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05.07.2017

150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Durmersheim

 

Ansprache Pfarrer Walter Becker zum 150-Jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Durmersheim

Liebe Feuerwehrkameradinnen,
liebe Feuerwehrkameraden,
liebe Festgemeinde,
 
150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Durmersheim!
Was für ein Tag!
Zuerst - ein Tag, an dem wir Danke sagen.
Danke, dass es euch gibt.
Für viele ist es selbstverständlich, dass es die freiwillige Feuerwehr gibt, die da ist, wenn Hilfe gebraucht wird.
Ich habe auf eurer Homepage etwas geblättert und die Liste eurer Einsätze angeschaut:
Pkw brennt, Überlandhilfe nach Bietigheim, Störung eines Aufzugs, Wasser im Keller, Person in Wohnung hilflose Lage, Rauchmelder ausgelöst, Busch brennt, Pkw brennt, Rauchentwicklung in einem Gebäude, umgestürzter Baum über der Fahrbahn...
Vermutlich wird die Liste viel Alltagsgeschäft festhalten - aber dann und wann werden Einsätze dabei sein, die ihr nicht vergessen könnt: Schwere Verkehrsunfälle, Brände mit eingeschlossenen Bewohnern - und im schlimmsten Fall Todesopfer.
Dann müsst ihr nach Hause fahren und wisst: trotz allem Einsatz, trotz aller Professionalität hat es nicht gereicht, war es zu spät, war nichts mehr zu helfen.
Ihr wisst nicht immer, was da auf euch zukommt, wenn ihr ausrückt,.
Ob es ein Routine-Einsatz wird, oder der Alarm sich als Fehlalarm herausstellt oder ob euch eine traumatische Situation erwartet.
Nein, es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass ihr diesen Dienst an der Allgemeinheit tut!
Denn jeder von euch hat ja noch seinen Beruf.
Nach einem längeren, anstrengenden Einsatz wartet die ganz normale Arbeit.
Und wenn ihr mitten in der Nacht aus dem Bett geholt werdet, bimmelt morgens wieder der Wecker.
Dass ihr euch dazu im Einsatz offensichtlich vermehrt mit unerfreulichem Verhalten von Unbeteiligten auseinandersetzen müsst - so liest man es immer wieder in den Zeitungen - das ist unvorstellbar: Frechheiten statt Dank, Rücksichtslosigkeit statt Mithilfe.
"Dem Nächsten zur Wehr".
Hinter diesem Teil eures Mottos verbergen sich unzählige Übungsstunden, Fortbildungen, eigene Lebenskraft, die ihr verschenkt, harte körperliche und psychische Beanspruchungen - und manchmal auch Gefahr für euer eigenes Leben.
Nein, es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass ihr diesen Dienst an der Allgemeinheit tut!
Deshalb sagen wir: Danke, dass es euch gibt.
Danke, dass ihr die Lasten dieses Dienstes auf euch nehmt.
Euer Motto hat noch eine erste Hälfte: "Gott zur Ehr".
Nun kann man unterstellen, dass es sich hier um eine "fromme Floskel" handle, die man der Tradition wegen nicht streichen will.
Mag sein, dass es Feuerwehrleute gibt, die religiös total "unbegabt" sind.
Ich glaube trotzdem, dass ihr mit Bedacht und nicht nur aus Tradition an diesem "Gott zur Ehr" festhaltet.
Wer so wie ihr, manchmal bis an die Grenze gehen muss, wer es immer wieder vor Augen sieht, wie gefährdet und hinfällig menschliches Leben ist, der ist doch mindesten für den Gedanken offen, dass es einen Größeren gibt.
Einen, der das Geschöpfliche als Schöpfer weit übersteigt.
Euch stehen Einsatzwagen mit toller Technik zur Verfügung, eure Einsätze organisiert ihr mithilfe von moderner Kommunikationstechnik, ihr seid gut ausgebildet und es gelingt euch offensichtlich junge Menschen zu verlässlichen und belastbaren Feuerwehrmännern und -frauen heranzubilden und zu erziehen.
Und trotzdem werdet ihr mit euren eigenen Grenzen konfrontiert und mit den Grenzen menschliches Existenz überhaupt.
Ich denke, euer Dienst hat ein Fenster nach oben.
Das heißt: er hält die Frage nach Gott wach.
Die Frage nach einem Sinn, wo ihr Sinnlosigkeit begegnet und ertragen müsst.
Wenn Menschen auf der Straße sterben - vielleicht sogar junge Menschen, die doch das Leben noch vor sich gehabt hätten - oder in ihren Häusern qualvoll umkommen oder durch Naturgewalten hingerafft werden - dann kann man so etwas nicht erklären oder dem Schrecklichen einen Sinn geben.
Dann steht ihr da und müsst Sinnlosigkeit aushalten und ertragen.
"Gott zur Ehr".
Tja, welchem Gott zur Ehr?
In dem berühmten Gleichnis vom "Barmherzigen Samariter" das wir vorhin gehört haben, gibt es einen Satz, der viel verrät:
"Als er - der Samariter - den Überfallenen sah, ergriff ihn das Mitleid".
Moderne Übersetzungen sind hilfreich - aber manchmal zu platt.
Was hier mit "ergriff ihn das Mitleid" wiedergegeben wird, heißt im Griechischen: "es zerriss ihm seine Gedärme".
Wir sagen eher: "es brach ihm sein Herz".
Also ein innerer seelisch-körperlicher Schmerz, der durch und durch geht.
Genau diese Vokabel wird benutzt, wenn Jesus Menschen ansah.
Es zerreißt Gott sein Innerstes, wenn er Menschen ansieht, die hilflos "überfallen" am Straßenrand liegen.
Das gilt im direkten, wie im übertragenen Sinn.
"Gott zur Ehr" - das ist kein Gott, der über allem irdischen Getümmel schwebt und keine Ahnung hat, von dem, was Menschen ertragen müssen.
Unseren Gott zerreißt es sein Innerstes.
Deshalb ist er Mensch geworden und mitten in all das, was Menschen ertragen müssen, hineingestiegen - mit Haut und Haaren - als Mensch unter Menschen.
Wenn ihr einen Menschen seht, der hilflos "überfallen" am Straßenrand liegt - vielleicht habt ihr ihn aus seinem Auto herausgeschnitten und es ist fraglich ob er stirbt oder überleben wird, dann dürft ihr wissen:
dieser Anblick, dieser Mensch und sein Schicksal geht nicht an unserem Gott vorbei.
Diese Situation hat etwas mit Gott zu tun - auch wenn alle Hilfe zu spät kommt und er nicht so eingegriffen hat, wie ihr es erhofft habt.
Das Schreckliche ist für Gott kein peinliches Tabu, sondern der Ort, wohin er hineingestiegen ist.
Das sehen wir an jedem Kruzifix.
Und das kann sich für euch auch in Menschen abbilden, zu denen ihr gerufen werdet.
Euer Dienst hat ein Fenster nach oben.
Niemand wird gezwungen nach diesem Fenster auszuschauen.
Aber jeder darf nach Gott fragen.
Jeder von euch darf seinen Dienst als Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau ganz bewusst "Gott zur Ehre" tun.
Unter einem offenen Fenster.
Mit dem Wissen: Er sieht mich und er sieht den, der am Straßenrand liegt.
Er sieht voller Solidarität, voller Mitleid und brennt darauf zu retten und zu helfen.
Und ihr dürft dabei sein - bei seinem Retten und Helfen.
Was für eine Ehre für euch!
 
150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Durmersheim!
Was für ein Tag!
Ein Tag, an dem wir Danke sagen.
Euch sagen wir Danke - und Gott sagen wir Danke!
Euch sagen wir Danke, dass ihr dabei seid.
Vielleicht sogar, weil ihr euch von Gott gerufen wisst.
Gott sagen wir Danke dafür, dass er euch bewahrt hat bis zum heutigen Tag.
Er segne und bewahre euch an Leib, Seele und Geist.
Amen.

(Es gilt das gesprochene Wort)