Geburtsklinik Rastatt: Endgültige Schließung ohne Not
Auf seiner Sitzung am
14.12.21 hat der Rastatter Kreistag bei nur einer Gegenstimme (Die Linke) die
nun endgültige Schließung der Rastatter
Geburtenstation beschlossen. Wir halten diesen Beschluss aus mehreren Gründen
für falsch. Es gibt keine fundierten
Untersuchungen oder Statistiken, die für unsere Region nachweisen, dass weniger Kliniken zu mehr Qualität
führen.
Im Gegenteil: Gebärende Frauen
und werdende Mütter erleben es seit eineinhalb Jahren, seit die Rastatter
Geburtenstation geschlossen ist, dass und wie sich die Situation der Geburtshilfe in Mittelbaden durch diese Zentralisierung verschlechtert
hat. Durch die Schließung in Rastatt in einer Nacht- und Nebelaktion hat man
nicht nur Schwangere und junge Mütter vor den Kopf gestoßen, sondern auch
die betroffenen Mitarbeiter*innen. Wie
schon mehrfach auch in der Presse berichtet wurde, kam es zu teilweise "chaotischen Verhältnissen" in Balg und
auch heute noch sind trotz nominell 5
Kreißsälen in Balg offensichtlich Engpässe, Überbelegung und somit Überforderung, Überarbeitung und damit
eine sinkende Qualität der Geburtshilfe insgesamt immer noch nicht aus der
Welt. Wen wundert es, dass einige der Mitarbeiter*innen daher aus Frust und
Enttäuschung dem KMB den Rücken kehren und Gebärende enttäuscht und genervt
sind.
D. h. der Personalmangel, der schon seit Jahren herrscht, wird im Fall der
Geburtsklinik Rastatt durch einen unprofessionellen Umgang mit dem Personal
noch weiter verschärft.
Bis Anfang 2020 gab es zwei funktionierende Geburtsstationen.
Wenn es heute kaum möglich ist, aus Personalmangel eine ordnungsgemäß zu betreiben,
dann ist das die alleinige Verantwortung
der Akteure an der Spitze des KMB und des Aufsichtsrates.
Bei einem fairen Umgang mit
den Beschäftigten und akzeptablen Arbeitsbedingungen wäre es nicht zu dem nun wortreich beklagten
Kapazitätsengpass gekommen.
Ländern des Trikonts wie
Mexiko oder armen EU-Nachbarn wie Rumänien noch die letzten Ärzte und medizinischen Fachkräfte abzuwerben,
kann ja wohl nicht die Lösung sein.
Zentralisierung und Ökonomisierung, die letztendlich das Gesundheitswesen vollständig
kapitalistischer Verwertungslogik und der Privatisierung unterwerfen, sind der falsche Weg. Sie kosten uns unter dem
Strich noch mehr bei sinkender Qualität. Es ist leider kein Zufall, dass die
Verantwortlichen mit der Schließung dem Einspar-Vorschlag
des Wirtschaftlichkeitsgutachtens gefolgt sind. Aber wegen einer knappen
Million Kosteneinsparung im Jahr die Geburtshilfe in der Region drastisch zu
verschlechtern, das ist es nicht wert.
Zusammen mit der geplanten
Schließung der bestehenden drei Krankenhäuser zugunsten einer Krankenhausfabrik
und dem stetigen und kontinuierlichen Rückgang der Hausarztpraxen im
ländlichen Raum erleben wir in Mittelbaden binnen zehn Jahren einen drastischen
Kahlschlag der wohnortnahen Gesundheitsversorgung.